- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Markt » Nachrichten

Falschberatung und Kauf von Zertifikaten


Schuldhafte Falschberatung: 84-jährige Rentnerin verklagt die HypoVereinsbank wegen Zertifikaten
Ombudsmann: Empfehlung der Bank zum Kauf der Zertifikate eine schuldhafte Falschberatung - Rückabwicklung der Kaufverträge: HypoVereinsbank AG will sich außergerichtlich einigen


(10.11.08) - Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft (hrp) nimmt für eine 84-jährige Rentnerin die HypoVereinsbank AG Hamburg beim Landgericht Hamburg auf Schadensersatz in Anspruch. Klägerin ist eine Anlegerin aus Hamburg. Diese hat wegen nicht anlegergerechter Beratung durch die Bank in Zusammenhang mit dem Erwerb von Zertifikaten einen Schaden von 15.132,76 Euro erlitten.

In einem von der Rentnerin angestrengten Schlichtungsverfahren vor einem Ombudsmann der privaten Banken GmbH wurde zugunsten der Rentnerin entschieden. Der Ombudsmann kommt zu dem Ergebnis, dass die Empfehlung der Bank zum Kauf der Zertifikate eine schuldhafte Falschberatung darstellt mit der Rechtsfolge, dass diese Kaufverträge rückabzuwickeln seien. Trotzdem will sich die HypoVereinsbank AG außergerichtlich nicht einigen.

Die Bank hatte der Rentnerin in den Jahren 2006 und 2007 zum Kauf von drei Zertifikaten zum Preis von zusammen 61.350,00 Euro mit Laufzeiten bis 2013 geraten. In dem von der Bank verfassten persönlichen Analysebogen aus Mai 2005 hatte sie als Anlageziele regelmäßige Einnahmen und langfristigen Wertzuwachs angegeben. Die Klägerin hatte die äußerst komplizierten und erklärungsbedürftigen Kapitalanlagen letztlich nicht verstanden und ihr war nicht klar gewesen, dass die Zertifikate zu keinen Zinseinnahmen führten. Im Einzelnen hatte die Anlegerin auf Empfehlung der HypoVereinsbank 190 HVB Best of Fonds Zertifikate (WKN: HV1A2V), 260 HVB Höchststandzertifikate (WKN: HV1CLQ) und 150 HVB Favorit Express Zertifikate (WKN: HV2CDH) erworben.

Das HVB Best of Fonds Zertifikat war der Klägerin am 27.01.2006 als letzten Tag der Zeichnungsfrist angeboten worden, die anderen Zertifikate sogar erst nach Ablauf der jeweiligen Zeichnungsfrist. Dies spricht nach Auffassung von Anwalt Peter Hahn von hrp dafür, dass die Zertifikate vorrangig aus vertriebsbedingten Gründen angeboten worden sind. Um ihren Schaden zu begrenzen, hatte die Klägerin die Zertifikate schließlich am 01.10.2008 veräußert. Sie hatten bereits erheblich an Wert verloren und die Klägerin konnte hieraus keine laufenden Zinseinnahmen erzielen. Erst in 2013 im Alter von 90 Jahren hätte sie bei Fälligkeit derselben Zahlungen erhalten.

Anwalt Peter Hahn meinte: "Bei Fällen von eindeutigem Beratungsverschulden der Bank sind auch für andere Erwerber von Zertifikaten gute Erfolgsaussichten gegeben, ihre Schadensersatzansprüche gegen die anlageberatende Bank durchzusetzen. Dies kann auch zunächst außergerichtlich versucht werden. Ich rate Geschädigten aber dringend davon ab, selbst Vergleichsgespräche mit einer Bank oder Sparkasse zu führen. Auch wenn man von einer Bank oder Sparkasse zu einem Gespräch einbestellt wird, sollte man zu diesem Termin einen versierten Fachanwalt mitnehmen", sagte Hahn weiter. (hrp: ra)

Lesen Sie auch:
Lehman Brothers und Vermögenswerte
Positionspapier: Finanzmarktkrise und Banken
Positionspapier: IFRS und Finanzkrise
Rettungsprogramm für die Finanzmarktkrise
Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes
Lehman Brothers-Zertifikat und Falschberatung
Finanzmarktstabilisierungsfond als Sondervermögen
Internationale Regeln für Finanzmärkte verschärfen
Finanzkrise: Anlegerschützer fordern Warnhinweise
Schadensersatz für Lehman Brothers-Zertifikate
Banken- und Finanzkrise: Dünne Luft für Manager
Finanzkrise und Bankenkrise
Strengere Regeln für internationale Finanzmärkte
Bei der Hypo Real Estate rollen die Köpfe
Vertrauen in den Geldmarkt schaffen
Bankenpleiten hätten verhindert werden können
Enterprise Risk Management und Finanzkrise
Lehman Brothers-Zertifikat und Falschberatung

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt-Nachrichten

  • Korruption: Dunkelfeld weiterhin sehr groß

    Das Bundeskriminalamt (BKA) hat 2017 einen Rückgang der Korruptionsstraftaten registriert. Wie aus dem veröffentlichten Bundeslagebild Korruption hervorgeht, nahm die Zahl dieser Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 4.894 ab. Damit wurde 2017 die niedrigste Anzahl von Korruptionsstraftaten seit fünf Jahren gemeldet. Das BKA führt diese Entwicklung unter anderem auf etablierte Compliance-Strukturen in Unternehmen und Behörden sowie auf die damit verbundene Sensibilisierung der Mitarbeiter zurück. Einen Grund zur Entwarnung liefern die Zahlen indes nicht: Nur ein Teil aller begangenen Korruptionsstraftaten wird polizeilich bekannt. Das Dunkelfeld wird weiterhin als sehr groß eingeschätzt.

  • Organisierte Kriminalität ist transnational

    "Die Organisierte Kriminalität hat viele Gesichter und Betätigungsfelder. Damit ist und bleibt das Bedrohungs- und Schadenspotential, das von Organisierter Kriminalität ausgeht, unverändert hoch", so BKA-Präsident Holger Münch bei der heutigen Pressekonferenz im BKA-Wiesbaden zur Vorstellung des Lagebildes Organisierte Kriminalität 2017. Die Gesamtzahl der Ermittlungsverfahren gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität liegt auf unverändert hohem Niveau: 2017 wurden 572 OK-Verfahren registriert (2016: 563). Rund 1/3 der OK-Gruppierungen ist im Bereich der Rauschgiftkriminalität (36,2 Prozent) aktiv. Damit ist und bleibt Drogenhandel das Hauptbetätigungsfeld von OK-Gruppierungen, gefolgt von Eigentumskriminalität (16,4 Prozent). An dritter Stelle findet sich Wirtschaftskriminalität (11,0 Prozent). Der polizeilich erfasste Schaden lag 2017 bei rund 210 Millionen Euro (2016: rund 1 Mrd. Euro).

  • Finanzermittlungen der Ermittlungsbehörden

    Der FIU-Jahresbericht für das Jahr 2016 verzeichnet mit rund 40 Prozent die höchste Steigerungsrate an Geldwäscheverdachtsmeldungen innerhalb der letzten 15 Jahre. Insgesamt 40.690 (2015: 29.108) Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz wurden an die FIU übermittelt, der Großteil davon von den Kreditinstituten. Mit 38 Prozent (2015: 32 Prozent) sind die meisten Bezüge zum Deliktsbereich Betrug festgestellt worden. Darunter fallen zum Beispiel auch der Warenbetrug über das Internet und der CEO-Fraud. Durch die Erkenntnisse, die direkt aus den Verdachtsmeldungen gewonnen werden konnten und den anschließenden verfahrensunabhängigen Finanzermittlungen stellten die Ermittlungsbehörden insgesamt Vermögenswerte von rund 69, 8 Millionen Euro sicher. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Bezahlen im Online Handel

    Die Wettbewerbszentrale hat in 10 Fällen bei großen Onlinehändlern Verstöße gegen die SEPA-Verordnung beanstandet. Die betreffenden Anbieter hatten Verbrauchern u. a. eine Bezahlung per Lastschrift angeboten, allerdings gleichzeitig den Lastschrifteinzug von Konten im EU-Ausland ausgeschlossen oder eingeschränkt. Erste Beschwerden bereits Ende 2016: Bereits im Dezember 2016 hatte die Wettbewerbszentrale Beschwerden darüber erhalten, dass eine private Krankenversicherung und ein Telekommunikationsunternehmen es gegenüber Kunden ablehnten, fällige Zahlungen im Wege der Lastschrift von einem Konto im europäischen Ausland einzuziehen. Im Fall der Krankenversicherung lag der Wettbewerbszentrale ein konkretes Schreiben vor, wonach es die Versicherung ablehnte, die Versicherungsbeiträge des Versicherungsnehmers von seinem Konto in Österreich abzubuchen (vgl. News vom 22.12.2016). Im Fall des Telekommunikationsanbieters verlangte dieser in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Durchführung des Lastschriftverfahrens die Angabe einer "gültigen deutschen Bankverbindung".

  • Bekämpfung & Aufklärung von Kriminalität

    Vertreter der ISPA, des Bundesministeriums für Inneres, der TU Wien und eines heimischen Providers stellten im Dezember letzten Jahres der europäischen Polizeibehörde Europol in Den Haag das österreichische Modell für eine sichere und transparent nachvollziehbare Übermittlung von Daten zwischen Providern und der Exekutive vor. Die erarbeitete Lösung könnte sich als Vorzeigemodell für den Einsatz in anderen europäischen Staaten durchsetzen. Das Hauptziel der ISPA, der Interessenvertretung der österreichischen Internetwirtschaft, ist die Förderung des Internets. In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage nach der Bekämpfung und Aufklärung von Kriminalität, die im Internet oder durch Verwendung digitaler Kommunikation entsteht. "Speziell bei Delikten, die es in dieser Art in der analogen Welt nicht gab, macht es Sinn, wenn sich die Strafverfolgungsbehörden und die Internetindustrie an einen Tisch setzen, um die neuen Fragestellungen und Herausforderungen gemeinsam zu erörtern", erläutert Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA.